ELLE A ÉLEVÉ LA VOIX AU-DESSUS DE LA MÊLÉE – UND DANN?

Jessica Jurassica heisst willkommen. Der HORA-Schauspieler und Co-Autor fragt: „wieso spricht ihr nur, wieso machen wir kein Theater?“

und wir machen Theater (2020)

In diesem Stück wird das Zuschauen selbst zur Handlung. Matthias Brücker, Schauspieler des HORA-Ensembles und Ko-Autor der Arbeit, erscheint zunächst nicht körperlich auf der Bühne, sondern als projizierte Präsenz: Über eine grossformatige Zoom-Leinwand verfolgt er die Live-Performance auf der Südbühne. Diese mediale Setzung verschiebt die Frage von Anwesenheit und Autorschaft.

Aus dem Probenprozess heraus formuliert Brücker die Frage: «Ketty, wieso spricht ihr nur, wieso machen wir kein Theater?» Indem er diesen Satz in der Aufführung wiederholt, verlässt er die Position des reinen Beobachters und beansprucht Mitbestimmung. Er setzt seinen eigenen Theaterbegriff performativ um und inszeniert zwei Szenen, die dem bisherigen Prozess nicht antworten, sondern ihn reiben und infrage stellen.

Heute ist Jessica Jurassica Gastgeber:in

Crédits

Konzept und künstlerische Leitung
Ketty Ghnassia

von und mit:
Mitarbeiter:innen der Gessnerallee
Michelle Akanji, Nailje Bedjeti, André Donzé

Mitarbeiter:innen der Freien Szene
Matthias Brücker (geschützte freie Szene), Seraina Dür, Ketty Ghnassia, Jonas Gillmann, Jessica Jurassica, Alessandro Schiattarella, Stadttauben 1 (Dür&Gillmann-Kollektiv), Stadttauben 2 (Dür&Gillmann-Kollektiv), Stadttauben 3 (Dür&Gillmann-Kollektiv), Stadttauben 4 (Dür&Gillmann-Kollektiv), Stadttauben 5 (Dür&Gillmann-Kollektiv) und Sandra Utzinger

Bühnenbild
Ketty Ghnassia, Jessica Jurassica, Anne Linke, Alessandro Schiattarella, Sandra Utzinger

Performances
Matthias Brücker, Seraina Dür, Jessica Jurassica, Sandra Utzinger

Produktionsleitung
Ketty Ghnassia

Gefördert durch:
Stadt Zürich Kultur, Elisabeth Weber Stiftung

Eine Produktion der cie la mêlée in Koproduktion mit der Gessnerallee

Zur prozessbasierten Theaterarbeit ELLE A élévé la voix au-dessus de la mêlée

In der Kunst wird viel über Dekonstruktion gesprochen.
Mit diesem Theaterdispositiv wurde sie umgesetzt.

Die prozessbasierte Theaterarbeit widmet sich des Themas der Inklusion und arbeitet

1) ohne klassische Regie-Funktion, sondern mit Ko-Autorenschaft aller Beteiligten,

2) mit Darsteller:innen, die nur vereinzelt den Schauspielberuf ausübten, und

3) mit einem Zeitraum, der die üblichen Produktionsabläufe in gedrängter Form darstellte.

Inklusion ist eine menschliche Angelegenheit. Es sind also so viel Menschen dazu eingeladen, wie das Budget dies erlaubt, einen Schritt zurückzutreten und herauszufinden, welche fiktive Wirs aus diesem Theaterdispositiv entstehen würden/könnten und nach welchen Aushandlungsprozessen – inklusiv mit den Zuschauer:innen – dies verlaufen würde.

Insgesamt sind es sechs Mitarbeiter:innen der Gessnerallee (von der Reinigungsfachfrau bis zur Theaterleiterinnen) und 13 Künstler:innen der freien Szene.

Die Struktur der Vorstellungen war immer die gleiche: Ein:e Ko-Autor:in eröffnete und schloss die Aufführung, alle anderen anwesenden Ko-Autor:innen agierten dann innerhalb des Rahmens während 60 Minuten.

PS:
Die Theaterleitung hat Ketty Ghnassia eine Woche vor Probebeginn darüber informiert, dass es nur begrenzt bzw. nicht an den Probe- und Aufführungstage teilnehmen werden (könne). Das Exklusive an dieser Theaterarbeit war ja, dass die Menschen der höheren Etagen sich auf die Initiative einer Künstlerin einlassen wollten und sich bereit erklärt hatten, die Theaterbühne gemeinsam zu nutzen und sich die Autorenschaft der Aufführungen zu teilen. Für einige Beteiligte entfiel mit der Nicht-Teilnahme der Theaterleitung ein relevanter Motivationspunkt.